Schlaf & Medizin

Bevor Sie Schlaftabletten nehmen – was Sie vorher klären sollten

Wenn sich die schlaflosen Nächte häufen und Sie schließlich zum Arzt gehen, bekommen Sie womöglich Schlaftabletten verschrieben. Sie können bei Schlaflosigkeit echte Erleichterung bringen. Doch bevor Sie mit der Einnahme beginnen, lohnt es sich, eine Sache zu prüfen: Schlafen Sie wirklich nicht?

Zu diesem Artikel

Diesen Artikel schreibt Masa, Entwickler und Mitgründer der Medisense Inc., die die Schlaf-App Sleepa entwickelt. Er beruht auf dem, was ich von Norihisa Kimura erfahren habe, dem Geschäftsführer von Medisense und Arzt mit Schwerpunkt Schlaf (Facharzt für Neurologie; zertifizierter Arzt der Japanischen Gesellschaft für Schlafforschung). Mehr über ihn lesen Sie in Warum ein Schlafmediziner eine Schlaf-App entwickelt hat.

Schlaflosigkeit wird meist allein im Gespräch diagnostiziert

Bei Fieber können Sie die Temperatur messen. Machen Sie sich Sorgen um Ihren Blutdruck, können Sie ihn messen. Für den Schlaf gibt es jedoch kein einfaches Messgerät, das ein Arzt im Sprechzimmer einsetzen könnte.

Wenn Sie wegen Schlaflosigkeit zum Arzt gehen, stellt er Ihnen zunächst Fragen. Wann sind Sie ins Bett gegangen, wann eingeschlafen? Wie oft sind Sie aufgewacht? Sind Sie tagsüber müde? Das meiste, worauf sich der Arzt stützen kann, sind Ihre eigene Erinnerung und Ihr Eindruck von Ihren Nächten.

Es gibt eine Untersuchung, die den Schlaf objektiv misst: die Polysomnographie (PSG), bei der Hirnströme und weitere Werte eine ganze Nacht lang aufgezeichnet werden. Sie ist jedoch aufwendig, findet meist mit Übernachtung im Schlaflabor statt und lässt sich nicht jedes Mal durchführen, wenn jemand wegen Schlaflosigkeit in die Praxis kommt. In der Praxis wird Schlaflosigkeit daher meist allein im Gespräch diagnostiziert, ganz ohne objektive Daten.

Die Folge: Manchmal werden Schlaftabletten verschrieben, obwohl sie nicht nötig sind

Sagt ein Patient: „Ich schlafe fast gar nicht“, hat der Arzt keine Möglichkeit, das zu überprüfen. Der Patient leidet sichtlich, und die Zeit für das Gespräch ist knapp. In dieser Situation ist ein Rezept für Schlaftabletten oft das Naheliegendste.

Dass auf diese Weise Schlaftabletten selbst dann verschrieben werden, wenn sie eigentlich nicht nötig sind, hält Norihisa Kimura für eines der größten Probleme der heutigen Schlafmedizin.

Etwa die Hälfte der Schlaflosigkeit ist eine Fehlwahrnehmung des Schlafzustands

Laut Kimura hat etwa die Hälfte der Menschen, die mit Schlaflosigkeit zu ihm kommen, eine Fehlwahrnehmung des Schlafzustands (auch „paradoxe Insomnie“ genannt): Sie schlafen tatsächlich eine ganze Menge, haben aber das Gefühl, es nicht zu tun.

Auch gesunder Schlaf enthält viele kurze Wachphasen in der Nacht. Die meisten sind so kurz, dass wir uns nie daran erinnern. Fühlt sich aber auch die Zeit zwischen diesen Wachphasen wie Wachsein an, kann die ganze Nacht schlaflos wirken.

Nach Ansicht von Kimura brauchen Menschen mit einer Fehlwahrnehmung des Schlafzustands keine Schlaftabletten. Was sie brauchen, ist, anhand objektiver Daten zu sehen, dass sie tatsächlich schlafen – und davon überzeugt zu sein. Mehr dazu lesen Sie in Was ist eine Fehlwahrnehmung des Schlafzustands?

Unnötige Schlaftabletten führen nicht zu guten Ergebnissen

Für Menschen, die sie brauchen, sind Schlaftabletten eine wichtige Behandlung. Wer sie aber ohne Notwendigkeit einnimmt, muss mit echten Nachteilen rechnen:

  • Das Problem verschwindet nicht: Liegt das eigentliche Problem in einer Abweichung zwischen Wahrnehmung und tatsächlichem Schlaf, lässt tieferer Schlaf durch eine Tablette das Gefühl „Ich schlafe nicht“ nicht unbedingt verschwinden. Weil sie das Gefühl haben, die Tabletten wirkten nicht, nehmen manche am Ende mehr davon oder zusätzliche Präparate.
  • Nebenwirkungen: Benommenheit oder Gangunsicherheit können bis in den nächsten Morgen anhalten, was bei älteren Menschen zu Stürzen führen kann.
  • Sie lassen sich schwer absetzen: Eine häufig verwendete Gruppe von Schlafmitteln, die Benzodiazepin-Rezeptor-Agonisten (Benzodiazepine und die verwandten „Z-Substanzen“), kann bei langfristiger Einnahme selbst in zugelassener Dosierung zu einer Abhängigkeit führen. Wird die Dosis verringert oder das Mittel abgesetzt, können Entzugserscheinungen wie Schlaflosigkeit und Angst auftreten. Die japanische Arzneimittelbehörde PMDA (Pharmaceuticals and Medical Devices Agency) warnt seit 2017 davor.
  • Die eigentliche Ursache kann übersehen werden: Schlechter Schlaf kann auf eine andere Erkrankung zurückgehen, etwa eine Schlafapnoe oder eine Depression. Auch wenn Sie dank einer Tablette das Gefühl haben, geschlafen zu haben, behandelt sie nicht die zugrunde liegende Erkrankung – und manche Schlafmittel können eine Schlafapnoe sogar verschlimmern.

Vor der Behandlung eine genaue Diagnose

Bei den meisten körperlichen Erkrankungen klären Ärzte zuerst ab, was los ist, bevor sie mit einer Behandlung beginnen. Bei Schlaflosigkeit sollte es nicht anders sein. Handelt es sich um eine Fehlwahrnehmung des Schlafzustands, um echten Schlafmangel oder um eine andere Erkrankung, die sich dahinter verbirgt? Die richtige Behandlung ist in jedem dieser Fälle eine völlig andere.

Auch die japanische Leitlinie von 2013 zum sachgerechten Einsatz und zum Absetzen von Schlafmitteln, erstellt von einer Forschungsgruppe des Gesundheitsministeriums und der Japanischen Gesellschaft für Schlafforschung, empfiehlt: Wenn sich die Beschwerden gebessert haben, sollten Patient und Arzt gemeinsam überlegen, die Schlafmittel zu reduzieren oder abzusetzen. Ob man mit Schlafmitteln beginnt oder sie weiter einnimmt – beides sollte auf einer genauen Diagnose beruhen.

Und es gibt etwas, das Sie als Patient dazu beitragen können: Bringen Sie Aufzeichnungen über Ihren eigenen Schlaf zum Termin mit.

Zeichnen Sie Ihren Schlaf vor dem Arztbesuch auf

Mit Aufzeichnungen aus mehreren Nächten kann Ihr Arzt sehen, wie Ihr Schlaf tatsächlich aussieht, statt nur zu hören: „Ich kann nicht schlafen.“ Zwei Dinge lohnt es sich festzuhalten:

  • Wie Sie Ihren Schlaf empfunden haben: ein Schlaftagebuch, das Sie jeden Morgen über die vergangene Nacht führen
  • Wie Sie tatsächlich geschlafen haben: den Schlaf, den ein Wearable wie die Apple Watch aufgezeichnet hat

Legen Sie beides nebeneinander, sehen Sie, was in den Nächten, in denen Sie glaubten, nicht geschlafen zu haben, wirklich passiert ist. Ein Wearable ist nicht so genau wie eine Untersuchung im Schlaflabor, aber Sie können es zu Hause nutzen – jede Nacht, wochenlang. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung finden Sie in Den eigenen Schlaf in einer Woche überprüfen.

Bedenken Sie aber: Diese Aufzeichnungen sind nicht dazu da, sich selbst eine Diagnose zu stellen. Ob eine Fehlwahrnehmung des Schlafzustands vorliegt und ob Sie Medikamente brauchen, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt anhand Ihrer Aufzeichnungen.

Wenn Sie bereits Schlaftabletten einnehmen

Vielleicht machen Sie sich nach diesem Artikel Gedanken über die Schlaftabletten, die Sie derzeit einnehmen. Bitte reduzieren oder beenden Sie die Einnahme nicht eigenmächtig. Ein plötzliches Absetzen kann Ihren Schlaf verschlechtern oder dazu führen, dass Sie sich unwohl fühlen.

Ob Sie sie weiter einnehmen oder schrittweise reduzieren, entscheiden Sie bitte gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt, die oder der sie verschrieben hat. Auch für dieses Gespräch können Ihre Schlafaufzeichnungen hilfreich sein.

Wie Sleepa helfen kann

Wir haben unsere Schlaf-App Sleepa so gestaltet, dass Sie Ihren empfundenen und Ihren tatsächlichen Schlaf nebeneinander sehen können.

Schlafdiagramm in Sleepa: oben der von der Apple Watch aufgezeichnete Schlaf, darunter die Einträge im Schlaftagebuch auf derselben Zeitachse (japanischer Bildschirm)

Sleepa ist auf Deutsch verfügbar. Der Screenshot in diesem Artikel zeigt die japanische Version.

  • Sleepa zeigt jede Nacht als Diagramm mit den Phasen Wach, REM, Kern und Tief – auf Grundlage der Daten Ihrer Apple Watch.
  • Ihr Schlaftagebuch erscheint direkt unter dem Diagramm auf derselben Zeitachse, sodass Abweichungen zwischen Ihrem Gefühl und den Daten leicht zu erkennen sind.
  • Eine KI fasst Tendenzen der letzten 30 Tage zusammen – etwa Ihre Schlafzeit, wie lange Sie zum Einschlafen brauchen und wie oft Sie aufwachen.

Sleepa stellt keine Diagnosen. Nutzen Sie die App, um Ihren eigenen Schlaf zu verstehen und Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt etwas Konkretes mitzubringen. Alle Funktionen sind ab dem ersten Öffnen der App 7 Tage lang kostenlos. (Nach Ablauf des kostenlosen Zeitraums wird Ihnen nichts automatisch berechnet.)

Das Wichtigste in Kürze

  • Schlaflosigkeit wird meist allein im Gespräch diagnostiziert, ohne objektive Daten.
  • Deshalb werden Schlaftabletten manchmal verschrieben, obwohl sie nicht nötig sind.
  • Laut Norihisa Kimura ist etwa die Hälfte der Schlaflosigkeit eine Fehlwahrnehmung des Schlafzustands, bei der keine Schlaftabletten nötig sind.
  • Unnötige Schlaftabletten lösen das Problem nicht und bergen das Risiko von Nebenwirkungen und Abhängigkeit.
  • Vor der Behandlung braucht es eine genaue Diagnose – Aufzeichnungen über Ihren Schlaf helfen dabei.
  • Wenn Sie Schlaftabletten einnehmen, setzen Sie sie nicht eigenmächtig ab. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Quellen: Pharmaceuticals and Medical Devices Agency (PMDA), „Bitte um sachgerechte Anwendung von Arzneimitteln Nr. 11: Abhängigkeit von Benzodiazepin-Rezeptor-Agonisten“ (März 2017, aktualisiert im Mai 2024; auf Japanisch); Forschungsgruppe des japanischen Gesundheitsministeriums und Arbeitsgruppe der Japanischen Gesellschaft für Schlafforschung, „Leitlinie für den sachgerechten Einsatz und das Absetzen von Schlafmitteln“ (2013; auf Japanisch)


Sleepa – Schlaf wissenschaftlich verstehen

Sehen Sie sich den Schlaf, den Ihre Apple Watch misst, zusammen mit der KI-Schlafanalyse und Ihrem Schlaftagebuch an. Mehr über Sleepa erfahren.

Laden im App Store

* Erfordert eine Apple Watch (Series 6 oder neuer) und ein iPhone mit iOS 26 oder neuer. KI-Texte erfordern ein iPhone, das Apple Intelligence unterstützt.

Bitte beachten Sie: Sleepa ist kein Medizinprodukt. Die Analyse dient nur zur Orientierung und ist keine medizinische Diagnose. Wenn Sie Beschwerden haben, die Sie beunruhigen, oder sich Sorgen um Ihren Schlaf machen, wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.

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